Diktarvänskap

Trakl
Georg Trakl

Han till henne:

Abendland

Else Lasker-Schüler in Verehrung

1.

Mond, als träte ein Totes
Aus blauer Höhle,
Und es fallen der Blüten
Viele über den Felsenpfad.
Silbern weint ein Krankes
Am Abendweiher,
Auf schwarzem Kahn
Hinüberstarben Liebende.

Oder es läuten die Schritte
Elis’ durch den Hain
Den hyazinthenen
Wieder verhallend unter Eichen.
O des Knaben Gestalt
Geformt aus kristallenen Tränen,
Nächtigen Schatten.
Zackige Blitze erhellen die Schläfe
Die immerkühle,
Wenn am grünenden Hügel
Frühlingsgewitter ertönt.

2.

So leise sind die grünen Wälder
Unsrer Heimat,
Die kristallene Woge
Hinsterbend an verfallner Mauer
Und wir haben im Schlaf geweint;
Wandern mit zögernden Schritten
An der dornigen Hecke hin Singende
im Abendsommer,
In heiliger Ruh
Des fern verstrahlenden Weinbergs;
Schatten nun im kühlen Schoß
Der Nacht, trauernde Adler.
So leise schließt ein mondener Strahl
Die purpurnen Male der Schwermut.

3.

Ihr großen Städte
Steinern aufgebaut
In der Ebene!
So sprachlos folgt
Der Heimatlose
Mit dunkler Stirne dem Wind,
Kahlen Bäumen am Hügel.
Ihr weithin dämmernden Ströme!
Gewaltig ängstet
Schaurige Abendröte
Im Sturmgewölk.
Ihr sterbenden Völker!
Bleiche Woge
Zerschellend am Strande der Nacht,
Fallende Sterne.

ELS
Else Lasker-Schüler

Hon till honom:

Georg Trakl

Seine Augen standen ganz fern –
Er war als Knabe einmal schon im Himmel.

Darum kamen seine Worte hervor
Auf blauen und weißen Wolken.

Wir stritten über Religion,
Aber immer wie zwei Spielgefährten,

Und bereiteten Gott von Mund zu Mund.
Im Anfang war das Wort.

Des Dichters Herz, eine feste Burg,
Seine Gedichte: Singende Thesen.

Er war wohl Martin Luther.

Seine dreifaltige Seele trug er in der Hand,
Als er in den heiligen Krieg zog.

– Dann wußte ich, er war gestorben –

Sein Schatten weilte unbegreiflich
Auf dem Abend meines Zimmers.

5 tankar om “Diktarvänskap

  1. Constanze,
    ich habe mich auch über das Ganze gefreut, als ich Gedichte und Bilder heute Morgen hier ”einmontiert” habe.

  2. Beide waren stete Begleiter, als ich so 15/16 war. Danach habe ich sie eine Weile nicht ”angerührt”. Umso schöner sie jetzt wieder zu entdecken.
    Schade eigentlich, dass so wenig Lyrik im Studium gelesen wird.

  3. Von Else Lasker-Schüler habe ich eigentlich alle Gedichte gelesen – mehrmals oder vielmals – und von ihren andren Werken habe ich wohl das meiste gelesen. Von Trakl aber kenne ich sehr wenig: *In den Nachmittag geflüstert*, *Verklärter Herbst* und einiges noch. Vielleicht kannst du mir da was empfehlen?

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